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Rezension:Die Macht des Vergebens- Eva Mozes Kor

Die heute 82 Jährige Eva Mozes Kor hat gemeinsam mit dem mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller Guido Eckert das vorliegende Buch verfasst. Kor wurde als zehnjähriges Mädchen gemeinsam mit ihren Geschwistern und Eltern nach Auschwitz deportiert und mit ihrer Zwillingsschwester von dem KZ-Arzt Dr. Josef Mengele für medizinische Versuche missbraucht.

Ausführlich  berichtet die Jüdin zunächst über  ihre Gefangennahme und Deportierung und über die Erfahrungen im Konzentrationslager. Immer wieder erwähnt sie  ihren Überlebenswillen, ohne den sie diese grausame Zeit wohl nicht überstanden hätte. Sie sah im KZ Kinder, die erblindeten, weil Mengele mit Chemikalien deren Augenfarbe verändern wollte und solche, die verstümmelt wurden oder nach Kastration, Amputation und Organentnahme starben.

Als damals Zehnjährige wurden an ihr immer wieder schmerzhafte Versuche ausgeführt. Es grenzt an ein Wunder, dass sie all die Torturen überhaupt überlebt hat. Die alte Dame fragt sich  nach all den furchtbaren Erfahrungen, was uns eigentlich menschlich bleiben lässt und kommt zu dem Ergebnis, dass es der Wille ist, alles für einen anderen Menschen zu tun, ohne dafür etwas zu erhalten, nicht einmal ein simples "Danke".

Als Ihre Zwillingsschwester Miriam an den Spätfolgen der Menschenversuche schwer erkrankt und stirbt, recherchiert sie nach deren Peinigern und erkennt, dass es sie nur einen Weg geben kann, sich von diesen zu befreien: Zu vergeben.

Was Vergebung für sie bedeutet, erläutert sie in ihrer Vergebungserklärung. Für sie ist es die Möglichkeit ihrer Hilflosigkeit zu entkommen, die so lange wirkte, solange sie Hass, Wut und Zorn in sich spürte und sich  der Vergangenheitsbewältigung entzog. Sie wollte nicht länger Opfer sein. Vergebung  habe ihr geholfen, nicht ein Mensch zu werden, der Tätern nacheifert und böse wird.

Für sie gilt: Täter müssen bestraft werden, aber sie möchte sich nicht in der Frage nach der Härte der Strafe in überflüssige Diskussionen ziehen lassen, weil Wut böse mache. Sie will am Kreislauf des Verderbens nicht teilnehmen, indem sie nach Vergeltung schreit. Sie möchte keine destruktive Energie in sich tragen.

Eva Mozes Kor war Nebenklägerin im Lüneburger Auschwitz-Prozess und vergab in diesem Zusammenhang einem früheren SS-Mann. Dabei vergab sie ihm nicht, weil er es verdiente, sondern weil sie die Auffassung vertritt, dass sie es verdient, endlich frei zu sein. 

Nach Meinung der Gepeinigten kann nur Vergeben die Welt verändern. Vielleicht hat Kor damit Recht. Ich allerdings möchte das bezweifeln, denn das Leben hat mich gelehrt, dass das Böse ein Bestandteil dieser Welt ist und sich nicht zurücknimmt, wenn man vergibt. Im Gegenteil.

Trotz aller Vorbehalte habe ich große Achtung vor Eva Mozes Kors Geste und wünsche ihr, dass sie die Dämonen des Gestern hierdurch für immer los geworden ist.

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt.

Empfehlenswert

Helga König

Überall im Handel erhältlich.
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Rezension: Mit Platon und Marilyn im Zug- Was uns die Begegnungen berühmter Persönlichkeiten über die großen Fragen des Lebens verraten- Helge Hesse- Piper

Helge Hesse, der Autor dieses spannend zu lesenden Buches, hat bereits mehrere Sachbücher zu kulturellen, historischen und philosophischen Themen verfasst, so etwa den in mehrere Sprachen übersetzten Bestseller "Hier stehe ich, ich kann nicht anders- In 85 Sätzen durch die Weltgeschichte", den ich kürzlich rezensiert habe. 

Der studierte Philosoph schreibt im vorliegenden Werk über interessante Begegnungen namhafter Persönlichkeiten aus der Geschichte und welche Fragen sich aus diesen Zusammentreffen für ihn ergeben. 

Ich habe das Buch nicht chronologisch gelesen, sondern bin wie sooft meiner Neugierde gefolgt und wollte von daher nicht zuallererst wissen, was Macht ist, auch nicht, ob Krieg gerecht sein kann, sondern mich interessierten zunächst Fragen wie etwa "Ist Kunst lebensnotwendig?", "Darf es Freiheit ohne Verantwortung geben?" aber vor allem "Ist der Kopf wichtiger als das Herz?"

Zunächst las ich die tragische Geschichte von Pierre Abélard und Héloise, die für ihre Liebe einen sehr hohen Preis zahlen mussten. Mich berührt das Schicksal Abélards schon viele Jahre. Es gibt keine Liebesgeschichte, die mich so gefangen nimmt, wie diese. 

Wie Helge Hesse so treffend schreibt, mussten Abélard und Héloise mit ihrem Glauben und ihrer Kirche ringen, aber auch mit den Umständen der Zeit. Zurück blieben zwei gebrochene Herzen, so die Analyse des Autors, der resümiert, dass diese unglücklich Liebenden sich in den Verstand flüchteten. Sie hatten wohl keine andere Chance... 

Jede einzelne Geschichte, die stets mit Zitaten der fokussierten Personen beginnt, gewährt uns einen Einblick in deren Lebensumstände und Denken. 

Interessant auch ist die Frage, die sich um die Begegnung Johann Wolfgang von Goethes und Alexander von Humboldts rankt. "Welches Wesen hat die Natur?" Für beide ist der Mensch ein Bestandteil der Natur. Sie ist nach ihrer Auffassung Teil ihres Wesens. Wie wir die Natur empfinden, trage dazu bei, dass wir sie verstehen. 

Goethe und Humboldt sollen im Blick des anderen die Vielseitigkeit des Daseins erkannt, speziell des menschlichen Geistes, und so erfahren haben, was Seelenverwandtschaft ist. Für beide soll sich das Wesen der Natur in dem Blickwinkel gezeigt haben, den der Mensch ihr gegenüber einnimmt. 

Es ist leider unmöglich, auf alle Fragen und Begegnungen im Buch einzugehen. Gefallen haben mir die Reflektionen zu John Lennon und Yoko Ono. "Kann man die Welt retten?" Ja, gewiss, wenn man den Gedanken Yoko Onos Ernst nimmt: "Ein Traum, den Du alleine träumst, ist nur ein Traum. Ein Traum, den Du gemeinsam träumst, ist Realität." 

Wie schön, wenn alle gemeinsam vom Frieden träumen und auf diese Weise der Traum wahr wird, weil alle sich genau darum bemühen. Ein tolles Buch, das sehr zum Nachdenken anregt.

 Empfehlenswert 

 Helga König

Das Buch ist überall im  Fachhandel erhältlich

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Rezension: Ein Appell von #Shirin_Ebadi an die Welt- Das hat der Prophet nicht gemeint

Dieses überaus lesenswerte, kleine Büchlein enthält Texte der Friedensnobelpreisträgerin #Shirin_Ebadi. Die Iranerin, Juristin muslimischen Glaubens, ist eine mutige Kämpferin für Menschenrechte und Aktivistin für Frieden und Stabilität. 

Im ersten Teil des Werkes kann man sich in die Gedankenwelt von Shirin Ebadi vertiefen. Im dann folgenden Part informiert Gudrun Harrer, Islam- und Politikwissenschaftlerin, Nahostexpertin sowie Journalistin bei der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" über die Friedensnobelpreisträgerin, die sie als "Die Unbeugsame" bezeichnet.

Shirin Ebadi wurde am 21. Juni 1947 in Hamadan geboren und wuchs in Teheran auf.  Seit 2009 lebt sie im Exil in Großbritannien. Ihr Ehemann wurde 2010 im Iran gefoltert, weil man ihn dazu bringen wollte, sie zu denunzieren. Seit jenen Tagen hat sie ihn nur noch einmal gesehen. 

Harrer schreibt von Shirin Ebadis vorrevolutionärer Jugend als Tochter aus gebildetem Hause. Bereits 1971 bewarb sie sich als Richterin, promovierte ein Jahr später und wurde 1975 Präsidentin des Teheraner Stadtgerichts. Man erfährt, weshalb sie anfangs keine Sensorik dafür entwickelt hatte, dass die Rolle der schiitischen Geistlichkeit bei der Revolution eine Gefahr für die Zukunft des Iran verkörperte, liest auch wie die Richterin nach der Machtübernahme Khomeinis kaltgestellt wurde und wie sie schließlich zur Menschenanwältin wurde.

Im Jahre 1995 wurde Ebadi Mitbegründerin des Vereins für die Unterstützung der Kinderrechte. Wie es dazu kam, dass sie mit dem Friedennobelpreis ausgezeichnet wurde,  beschreibt Gudrun Harrer am Ende ihre Porträts. 

Ich empfehle das Porträt Shirin Ebadis von Harrer zuerst zu lesen und sich danach die Gedanken der Friedensnobelpreisträgerin zu Gemüte zu führen, weil man vor dem Hintergrund ihrer Vita ihr Denken noch besser versteht. 

Sie äußert sich u.a. zu Gerechtigkeit, dem Frausein, der Liebe, dem Leben, der Unabhängigkeit, der Gewalt, der Wirtschaft, der Globalisierung, dem Frieden, dem Islam, dem Fortschritt, der Kommunikation und der Widerstandskraft. 

Für sie ist es keine Frage, dass alle Religionen eine gemeinsame Wurzel haben und der Islam so interpretiert werden muss, dass er sowohl die Menschenrechte als auch die Demokratie akzeptiert. Dies sei möglich, so Ebadis. Sie habe es der iranischen Regierung mehrfach aufgezeigt. Und genau aus diesem Grunde habe man das Todesurteil über sie verhängt. 

Für diese kluge Frau ist es klar, dass Fortschritt nur durch gute Kommunikation erreicht werden kann und man Frieden nur dann schafft, wenn die Produktion und Verbreitung von Waffen eingeschränkt wird. 

Sie sagt unmissverständlich für alle, dass die radikalen Islamisten mit ihrem Fundamentalismus und Extremismus eine völlig falsche Ideologie vermitteln und  manche junge Europäer mit Migrationshintergrund nur deshalb Terroristen werden, weil sie keine Ahnung vom Koran haben. Sie gehen demnach Extremisten auf den Leim, weil sie eine extremistische Ideologie nicht von Religion unterscheiden können.

Shirin Ebadis Botschaft an ihre Geschlechtsgenossinnen: "Frauen und Männer, die sich unterdrückt fühlen und in Angst leben, müssen sich befreien. Von ihren Vätern, Ehemännern, Brüdern. Mädchen müssen sichergehen, dass sie Ausbildung bekommen. Sie müssen sich Kompetenzen aneignen, die ihnen die Möglichkeit geben, Jobs nachzugehen und wirtschaftlich unabhängig zu sein. Eine Frau, die wirtschaftlich abhängig ist, wird nie ein Selbstwertgefühl entwickeln. Eine Frau, die kein Selbstwertgefühl hat, riskiert immer, ein Opfer zu werden“

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Überall im  Fachhandel erhältlich

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Rezension: Weimarer Persönlichkeiten- Ulrich Völkel (HG.)

Herausgeber dieses bemerkenswerten Buches ist der seit 2001 in Weimar lebende Schriftsteller und Lektor  UIrich Völkel. 

Wer Weimar schätzt oder gar liebt und sich mit den Protagonisten dieser Stadt aus unterschiedlichen Jahrhunderten näher befassen möchte, sollte dieses Nachschlagewerk immer wieder zur Hand nehmen, denn hier warten 350 Beiträge darauf, gelesen zu werden. Die Personen, um die es in den Texten geht, haben alle über einen gewissen Zeitraum hinweg in Weimar gelebt oder  die Stadt zumindest besucht oder ihre Werke dort präsentiert. 

Neben den spannend zu lesenden Beiträgen, umfasst das Buch eine Fülle von Abbildungen, die selbst Weimarkennern nicht immer bekannt sein dürften. Dabei ist das Werk alphabetisch angelegt und beginnt mit Anmerkungen zu Hermann Abendroth, einem aus Frankfurt stammenden Komponisten und Dirigenten, der bereits als Student die Leitung des Münchner Orchestervereins übernahm und nach dem 2. Weltkrieg die Stelle als musikalischer Oberleiter der Weimarischen Staatskapelle begleitet hat. Er zählt wie viele andere Personen, die im Buch zur Sprache kommen, zu den Ehrenbürgern der Stadt. 

Natürlich erfährt man Wissenswertes über Anna Amalia, auch Bettina von Arnim bleibt nicht ausgespart und selbstverständlich liest man von den  großen Musikern und Dichtern, die zeitweilig oder fast ihr gesamtes Leben hindurch in Weimar lebten. Unbekannt war mir bislang, dass Marlene Dietrich 1918 an der Musikhochschule in Weimar eine Ausbildung als Konzertgeigerin begann, später dann das Studium in Berlin fortsetzte, bevor sie Schauspielunterricht bekam und zu diesem Zeitpunkt schon seitens des Theaterregisseurs Max Reinhardt am Deutschen Theater engagiert war. All dies gehört zudem Persönlichkeitsmosaik "Weimar", der Stadt, die 1999  zur Kulturhauptstadt Europas gekürt wurde.

Zu Goethes Zeiten zog es viele Kulturinteressierte nach Weimar, doch auch zu Zeiten Liszts und des Bauhauses, war Weimar der "In-Place"   aller Kulturinteressierten und Kulturschaffenden. 

Weimarer Hofdamen lernt man kennen, wird  zudem über Iffland, Caroline Jagemann und Jean Paul informiert, erfährt, dass Franz Kafka 1912 den Ort bereiste und liest als Goethe-Fan nichts Neues, wenn man darauf stößt, dass Thomas Mann anlässlich Goethes 200. Geburtstags in Weimar weilte und die Ehrenbürgerwürde der Stadt erhielt. Auch Rilke übrigens ließ sich Weimar nicht entgehen.

Jorge Semprún, der einstige Widerstandskämpfer und spätere spanische Kulturminister wurde 1944 von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert, ein Schreckensort, der unweit von Weimar gelegen ist.   Es ist lobenswert, dass man Buchenwald nicht  ausgeklammert hat.

Natürlich wurde Charlotte von Stein nicht vergessen und auch Henry van de Velde nicht.  Sogar einen Blick in Christiane von Goethes Geburtshaus darf man werfen und freut sich, zu lesen, dass sie eine natürliche Intelligenz und vor allem Herzensbildung besaß, "die dem überragenden Geist Goethes lebenslange Zuneigung und Respekt abforderte."

Ob dieser Satz Charlotte und der Weimarer Hofgesellschaft gefallen hätte, sei dahingestellt.  Er zeigt, dass der Herausgeber an alten Legenden nicht weiter festhält und geerdete Geschichtsdarstellung betreibt.


Ein sehr empfehlenswertes Buch 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
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Rezension: Goethe im Wahnsinn der Liebe- Band 2 "Tassos" Botschaft- Veit Noll

 Goethe im Wahnsinn der Liebe 
Band 2 "Tassos" Botschaft
Der Autor Veit Noll legt mit dem 2. Band "Goethe im Wahnsinn der Liebe", der den Titel "Tassos" Botschaft trägt, ein Buch vor, das anhand der Textanalyse von Goethes Schauspiel "Tasso" verdeutlicht, dass eines seiner Motive, Weimar zu verlassen und nach Rom zu gehen, möglicherweise darin bestand, sich des emotionalen, vielleicht auch erotischen Zugriffs der Fürstin Anna Amalia zu entziehen. 

Zu Eckermann sagt Goethe im Mai 1827 in Bezug auf die kritische Beurteilungen des Tasso seitens des französischen Kritikers J. J. Ampère: "Wie richtig hat er bemerkt, dass ich in den ersten zehn Jahren meines weimarischen Dienst- und Hoflebens so gut wie gar nichts gemacht, dass die Verzweiflung mich nach Italien getrieben, und dass ich dort mit neuer Lust zum Schaffen die Geschichte des Tasso ergriffen, um mich in Behandlung dieses angemessenen Stoffes von demjenigen frei zu machen, was mir noch aus meinen weimarischen Eindrücken und Erinnerungen Schmerzliches und Lästiges anklebte. Sehr treffend nennt er daher auch den Tasso einen gesteigerten Werther."

Der Dichter wiederholt Eckermann gegenüber am 10. Februar 1829 erneut, dass er in den ersten zehn Jahren seiner Weimarer Zeit nichts bedeutendes Poetisches hervorbrachte und fügt hinzu, dass er stattdessen die Jahre durch "Liebschaften verdüstert" habe. Goethe gesteht Eckermann also "mehrere" Liebschaften in besagter Phase. 

Seine Beziehung zu Charlotte von Stein ist allseits bekannt. Seine mögliche Liebschaft zu Anna Amalia liest Noll nicht zuletzt aus dessen "Torquato Tasso" heraus.

Bevor man sich in die Überlegungen Veit Nolls vertieft, empfiehlt es sich,  die beigefügten Bilder genauer zu betrachten, um sich auch visuell mit der Zeit und verschiedenen Personen auseinanderzusetzen, um die es hier geht. 

Anna Amalia, die Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach war bereits Witwe als Goethe sie kennen lernte. Sie war  um 10 Jahre älter als er. Seine große Liebe Charlotte von Stein wurde übrigens 7 Jahre vor ihm geboren.  Ein Problem mit älteren Frauen als Liebesobjekten hatte er demnach nicht.

Mit der Mäzenin Anna Amalia verband ihn wie  Noll hervorhebt, ein großes Interesse an der Kunst der Antike, an Winkelmanns Erkenntnissen und der Musik in Italien. Anna Amalias Aufforderung an ihn  einem gemeinsamen Aufenthalt in Rom nachzukommen, hätte ihn eigentlich begeistern müssen, wenn da keine emotionalen Hindernisse dagegen gestanden hätten.  Goethe soll sich, wie der Autor die Leser wissen lässt, beharrlich geweigert haben, Anna Amalia in Italien aufzusuchen und sich mit seiner Korrespondenz zurück gehalten haben. 

Der Dichter selbst weilte bekanntermaßen von 1786- 1788 in Italien und vollendete 1789 seinen "Tasso". Goethe, der Italien liebte, und seinen Freunden in Rom und Neapel seine Wiederkehr versprochen hatte, löste das Versprechen nicht ein, sondern reiste nur bis Venedig. Er scheute offenbar die Nähe der Fürstin. Dass die Ursache hierfür eine vormalige Affäre, die er nicht mehr auflodern lassen wollte, gewesen sein könnte, halte ich nach den Überlegungen des Autors durchaus für denkbar. 

Veit Noll stellt einige wichtige Fragen zu Goethes sonderbarem Verhalten, Anna Amalia keinesfalls in Rom zu begegnen, die ich für sehr zielführend halte im Hinblick auf Goethes Gefühlslage. 

Der Dichter Torquato Tasso, mit dem sich Goethe in seinem Werk beschäftigt, ist eine historische Gestalt aus der Renaissancezeit. Er kam 1565 an den Hof der Este nach Ferrara. Dort traten zehn Jahre später erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung auf, in deren Zusammenhang er so gewalttätig wurde, dass man ihn in einem Kloster isolierte, aus dem er aber floh und schließlich in ein "Irrenhaus" eingesperrt wurde. 

Goethes "Tasso" spielt in Belriguardo, einem Lustschloss von Alfons II., dem Herzog von Ferrara. Thema des Dramas sind neben der Liebe des jungen Tasso zu Leonore, der Prinzessin von Este, der Schwester des Herzogs - die Rolle des Dichters in der höfischen Gesellschaft. 

Leider ist es unmöglich, im Rahmen dieser Rezension auf das Drama "Tasso" ausführlich wissenschaftlich einzugehen und gewissermaßen eine Rezension über die einzelnen Überlegungen Nolls zu diesem Werk Goethes anzufertigen, weil dies einer Seminararbeit an der Uni gleichkäme. Gesagt aber werden kann, dass es sich für Germanisten, die eine Seminararbeit über den Tasso anfertigen wollen, durchaus lohnt, sich auch mit Veit Nolls Ansatz zu befassen, zumal er sehr wissenschaftlich mit vielen Fußnoten seine Betrachtungen vervollständigt hat. 

Veit Noll sieht Leonore gedoppelt als zwei Seiten von Anna-Amalia, während Charlotte von Stein als ungenannte Perle erscheint.

Goethes Tasso II soll in erster Linie eine Botschaft an Anna Amalia gewesen sein,  in der er ihr subtil unterbreitet, dass er sie nicht liebe. Diese Botschaft übermittelte Goethe indirekt als Abschrift von Caroline Herder an Anna Amalia. Johann Gottfried Herder las sie in Tivoli vor, woraufhin Anna Amalia sichtbar betroffen reagierte. Auf der im Buch beigefügten Abbildung von Johann Georg Schütz wird der Kummer der Fürstin deutlich. 

Die Beziehung Goethes zu Anna Amalia scheint alles in allem nicht einfach gewesen zu sein und lässt erahnen wie kompliziert die Rolle des jungen Dichters in Weimar gewesen sein muss,  gerade was Abhängigkeiten als "Mätresserich" anbelangte, der sich zu entwinden und gleichzeitig Freund am Hofe zu bleiben, gewiss viel diplomatischen Geschick erforderlich machte.

Das spannend zu lesende Buch macht bereits neugierig auf das nächste, weil Veit Noll dann abermals dem Verhältnis zwischen Goethe und Anna Amalia nachspürt und zwar im Hinblick auf dessen Italienreise, den Italienaufenthalt und seine Dichtung.  Der Autor verspricht dem Leser schon jetzt neue Erkenntnisse zur Liebe und zur Denkweise des Dichters, der als Apoll von Weimar viel Platz für Recherchen ermöglicht, die aufhorchen lassen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Goethe im Wahnsinn der Liebe
Band 2: Tassos Botschaft
ISBN; 978-3-9816669-4-6

forschungsverlag. de

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Rezension: Königin Luise- Bilder und Briefe- Insel-Bücherei

Dieses Büchlein ist eine Hommage an Königin Luise von Preußen, die am 10.3.1776 in Hannover als Luise von Mecklenburg-Strelitz geboren wurde. 

Bilder ihrer Eltern, ihrer Großmutter und ihrer Erzieherin verschaffen erste Eindrücke und Briefe an ihre Schwester Therese, Fürstin von Thurn und Taxis,  lassen vage erkennen, um welche Persönlichkeit es sich hier handelte. Wie es dazu kam, dass der Kronprinz von Preußen Luise kennen lernte, erfährt man beinahe nebenbei, kann Johann Gottfried Schadows berühmtes Meisterwerk "Das Doppeltstandbild der beiden Schwestern Luise und Friederike" bewundern, auch Briefe von Luise an den Kronprinzen und späteren König lesen, sogar ihr Trauring bestaunen und lernt Prinz Louis Ferdinand von Preußen kennen, der ihr den Hof machte, 

Einen ihrer Briefe finde ich besonders bemerkenswert. Es ist ein Briefentwurf an Alexander I. , den sie am 8. September 1808 schrieb. Hier warnt sie den russischen Zaren vor Napoleon, mit dem er sich treffen will: "Ich beschwöre Sie, lieber Vetter, mit aller Innigkeit, deren meine Freundschaft fähig ist, seien Sie auf der Hut vor diesem gewandten Lügner, und hören Sie auf meine Stimme, die nur für Sie spricht…": "Lassen Sie sich nicht zu Unternehmungen gegen Österreich hinreißen“…. "weisen Sie jene teuflischen Pläne ab; geben Sie ihm Gesetze, die durch die Humanität diktiert sind und die Unglücklichen erheben. Die Welt urteilt nach Erfolgen."

Ein wunderbares Bändchen über die Frau, die heute vor 240 Jahren das Licht der Welt erblickte. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: #Kopernikus – Revolutionär des Himmels- #John_Freely- #Klett_Cotta

  
Autor dieses bemerkenswerten Buches ist John Freely. Der in Brooklyn geborene Physiker lehrt in Istanbul Physik und Wissenschaftsgeschichte. Zudem schreibt er eine Vielzahl von Reise- und Sachbüchern. 

Im Herbst 2015 ist bei Klett –Cotta die spannend zu lesende Biographie über den Ostpreußen Nicolaus Kopernikus (1473- 1543) erschienen. Dieser Universalgelehrte stellte in der Frührenaissance die bahnbrechende Hypothese auf, wonach die Erde und die übrigen Planeten die Sonne umkreisen. Mit besagter Hypothese brach er mit der geozentrischen Kosmologie. Sie hatte seit der Antike das Weltbild bestimmt. 

Seine heliozentrische Theorie veröffentlichte der Kopernikus 1543 in der Schrift "De revolutionibus". Diese führte zur sogenannten Kopernikanische Wende, die  Freely ausführlich erläutert. Zunächst wurde seine heliozentrische Astronomie nur von Kepler und Galileo akzeptiert. Auf diese Weise nahm sie Einfluss auf die wissenschaftliche Revolution im 17. Jahrhundert, die im neuen Weltbild Isaac Newtons, dem Beginn der modernen Wissenschaften, ihren Höhepunkt fanden. 

Das Buch erzählt die Lebens- und Schaffensgeschichte des bedeutenden Mannes, der einer der größten Universalgelehrten seiner Zeit und neben dem Philosophen Immanuel Kant  eine der wohl berühmtesten Persönlichkeiten Ostpreußens war.

Der sehr zurückgezogen lebende Domherr Kopernikus befasste sich mit Medizin, Sprachwissenschaften, Jura, Diplomatie, Politik, Mathematik, Naturwissenschaften, Kunst, Theologie und Astronomie und vereinte die die Erkenntnisse der Antike, der mittelalterlich-islamischen Welt mit den neuzeitlichen Naturwissenschaften. 

Ein erhellendes Buch über den Mann, der am 19. Februar  2016 vor 543 Jahren die Welt erblickte und  sie  durch seine Erkenntnisse wesentlich bereicherte.

Sehr empfehlenswert

Helga König

Das Buch ist im Fachhandel erhältlich
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Rezension: Die Suffragetten -Sie wollten wählen und wurden ausgelacht- Antonia Meiners (Hrsg.) Elisabeth Sandmann

Rechtzeitig zum Start des Films "Suffragette", der im Februar in das Deutsche Kino kommt,  wurde seitens Antonia Meiners im Elisabeth Sandmann Verlag das Buch "Die Suffragetten" herausgegeben. Im Film mimt die legendäre Meryl Streep die berühmte Suffragette Emmeline Pankhurst, eine der Gründerinnen der britischen Frauenbewegung, deren Kampf für das Frauenwahlrecht die Leser staunen lässt. 

Ihr Buch untergliedert Meiners in drei Abschnitte. Dort stellt sie 26 Kurzporträts  von namhaften Frauenrechtlerinnen vor. 

Frauen der ersten Stunde 
Die Sozialistinnen 
Die Radikalen 

Mit Olympe de Gouges (1748- 1793) und Mary Wollstonecraft (1759- 1797) beginnt der Reigen und dokumentiert, das die Französische Revolution den Frauen  leider nicht zu ihren Rechten verholfen hatte. Diese mussten sie sich in den Jahrhunderten danach unter harten Bedingungen erst selbst erkämpfen. 

Im ausführlichen Vorwort listet die Herausgeberin jene Forderungen der Frauenbewegung auf, die alle Strömungen vereinten. Diese Forderungen skizziert sie  lobenswert einprägsam. Es handelt sich dabei um:

Recht der Frau auf Erwerbstätigkeit 
Verbesserung der Mädchenbildung 
Gleichstellung von Frauen und Männern vor dem Gesetz 
Bekämpfung bürgerlicher Doppelmoral 
Politisches Mitspracherecht 

In den drei Abschnitten sind die wesentlichen Gedanken der jeweiligen Protagonisten  den dann folgenden Kurzbiographien vorgeschaltet, damit man   schon in etwa weiß, worum es in der Folge geht. 

Neben Gemäldeablichtungen und alten Fotos der Frauenrechtlerinnen erhält man Einblicke in Originaltexte und Schriften der klugen Damen und es werden zudem immer auch Zitate hervorgehoben, die die Leser und Leserinnen beim ersten Durchblättern des Buches neugierig auf die Texte machen. 

Beispiele:

 "Wenn man den weiblichen Verstand schärft, indem man ihn bildet, ist Schluss mit dem blinden Gehorsam" Mary Wollstonecraft – (1759- 1797) 

"Wenn das Endziel der Frauenbewegung einmal erreicht ist, so wird es kein führendes Geschlecht mehr geben, sondern nur noch führende Persönlichkeiten" (Helene Lange, 1848-1930) 

Bücher mit  Lebensbeschreibungen  über Suffragetten gibt es nicht wenige. Was für den Kauf dieses Buches spricht, sind nicht nur die gut recherchierten  Kurzbiografien, sondern auch die eingestreuten Textauszüge der blitzgescheiten Frauen von einst. 

Das passive und aktive Wahlrecht war eines der grundsätzlichen Anliegen der Frauenbewegung. In der Auflistung der Daten zur Einführung des Frauenwahlrechts zum Schluss, darf man mit Verwunderung registrieren, dass Liechtenstein erst 1984 den Frauen das Wahlrecht zubilligte und auch die Schweiz sich lange Zeit ließ. Dort durften die Frauen erstmals 1971 zur Wahl gehen, in Finnland bereits 1906. 

Gefallen hat mir nachstehendes Zitat, das von Rosa Mayreder stammt: 

"Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen."

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
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Rezension: Marixwissen- 100 Menschen die inspirieren und ohne die unsere Welt nicht unsere wäre.

Wie die sozialen Netzwerke und hier im Speziellen Twitter dokumentieren, besteht ein reges Interesse an Inspirationen durch Gedanken namhafter Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Täglich werden Tausende von Zitaten getwittert, die gewiss den ein oder anderen zum Nachdenken anregen oder sogar zu Verhaltensänderungen führen. 

Wer sich über das Leben solcher Persönlichkeiten kundig machen möchte, wird in diesem Buch durch  sehr gut recherchierte Kurzbiographien  darüber aufgeklärt, welche Lebenskrisen viele dieser Menschen durchleben mussten, um so weise zu werden, wie es ihre Sentenzen oft dokumentieren. 

Die spannend zu lesenden Lebensbeschreibungen sind in die Rubriken 
Antike und Mittelalter 
Renaissance und Aufklärung 
Das 19. und frühe 20. Jahrhundert 
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts 
untergliedert. 

Alle Kurzbiographien umfassen jeweils etwa drei Seiten. Dabei ist man erstaunt,  wie sehr doch trotz der knapp bemessenen Seitenanzahl in die Tiefe gegangen wird. Das gilt für das Leben Johann Wolfgang von Goethes gleichermaßen wie für das Leben und Wirken Hegels, Bertha von Suttners, Rabindranath Tagores und für all die anderen, die für dieses Werk ausgewählt wurden. 

Ein sehr gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Rezension: #Unbeugsame_Lehrerinnen- Frauen mit Weitblick- Luise_Berg_Ehlers- Eilsabeth_Sandmann

Die Autorin dieses spannenden Buches ist Dr. Luise Berg-Ehlers. Nach ihrer Promotion über Theodor Fontane war sie 40 Jahre im Schuldienst und in der Lehrerausbildung tätig. Dabei leitete sie 25 Jahre hindurch ein Gymnasium in Bochum. 

Ihr Werk "Unbeugsame Lehrerinnen" hat sie in fünf Kapitel untergliedert. Diesen ist eine aufschlussreiche Einleitung vorangestellt. Hier lässt sie die Leser gleich zu Beginn wissen, dass in den letzten 200 Jahren Lehrerinnen bzw. Frauen, die es werden wollten "im Kampf gegen Spott, Unterdrückung, Diffamierung, gegen Schwierigkeiten aller Art größte Entschiedenheit, Durchsetzungskraft und Stärke bewiesen." Ein ursächliches Motiv dafür,  scheint eine Aussage in einem Brief des Apostel Paulus zu sein. Er schrieb: "Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht (…) sie soll sich still verhalten." ( 1. Tim 2,12). 

Es waren Humanisten wie Erasmus von Rotterdam und Thomas More, die auf die Notwendigkeit hinwiesen, dass Töchter genau wie Söhne eine umfassende Bildung und Erziehung bekommen sollten. Doch leider war die gängige Vorstellung eine andere. Man unterstellte, dass Mädchen aufgrund ihrer psychischen und physischen Disposition unfähig seien, den intellektuellen Anforderungen des Unterrichts zu entsprechen, aber auch nicht in der Lage seien ähnlich wie Männer ausgebildete Lehrer zu sein. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mussten Frauen für Bildung, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit kämpfen. Ohne jene Kämpferinnen würde es die weibliche Emanzipation vermutlich heute noch nicht geben. Deshalb auch hat die Autorin den entscheidenden Beitrag, den Lehrerinnen im Hinblick auf die Emanzipation der Frau geleistet haben, besonders gewürdigt. 

Unbeugsam waren Lehrerinnen in vergangenen Zeiten deshalb schon, weil sie mehr Bildung, mehr Selbstständigkeit, mehr Unabhängigkeit und vor allem mehr Rechte anstrebten. All die Frauen, die im Buch genannt und deren Wirken beschrieben ist, an dieser Stelle zu erwähnen, ist unmöglich, deshalb werde ich mich auf einige beschränken, die in meinen Augen besonders hervorgehoben werden sollten. 

Eine wesentliche Voraussetzung für jene Erzieherinnen, die man als "Gouvernanten" bezeichnete und die noch keine pädagogische Ausbildung vorweisen konnten, war die Erfahrung einer sozialen Katastrophe. Es waren nicht selten junge französische Aristokratinnen, die nach 1789 nach England flohen, um der Guillotine zu entgehen und deshalb in den Dienst ihrer Standesgenossen eintraten. Die Tätigkeit der Gouvernante soll sehr anstrengend und die soziale Stellung ungenau definiert gewesen sein. Man lernt einige diese Erzieherinnen kennen und kann sich ein Bild davon machen, wie Arbeit und Leben dieser Damen aussah. 

Auch von der späteren Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner (1843-1914) und ihrer Gouvernantentätigkeit liest man. Das Engagement von Frauen wie Mary Wollstonecraft (1759- 1797) und Olympe de Gouges (1748- 1793) bleibt ebenfalls nicht ausgespart und es kommen viele andere Frauen, die man mit dem Begriff Frauenrechtlerinnen in Verbindung bringt, zur Sprache. Man staunt, dass es sich stets, um mutige Lehrerinnen handelte. 

Betty Gleim (1781- 1827) war eine der ersten, die sich publizistisch zu Fragen von Erziehung und Unterricht äußerten. Ihr Ziel war es, Mädchen in Bremen "gebildet, engagiert, selbstständig und auch sportlich" zu erziehen. Hedwig Dohm bleibt nicht unerwähnt und man kann einen Einblick in einen ihrer polemischen Texte nehmen, wird zudem mit Helene Lange vertraut gemacht, die im Jahre 1872 ihr Lehrerexamen ablegte und später als Lehrerin in Berlin an Höheren Töchterschulen unterrichtete. Auch hier hat man Gelegenheit aus einer ihrer Schriften einen Auszug zu lesen, um so auf Tuchfühlung zu ihrem Denken zu gelangen. 

Besonders spannend finde ich das 4. Kapitel mit dem Titel "Das Jahrhundert der Lehrerinnen". Hier werden auch Frauen wie Franziska Gräfin zu Reventlow, Simone de Beauvoir, Anna Freud, Selma Lagerlöf und Joanne K. Rowling und andere vorgestellt, die ihren Lehrerberuf stets nur kurz ausübten, um anschließend als Schriftstellerinnen von sich Reden zu machen. Mit dem Kapitel über Lehrerinnen in Literatur und Film  dann findet das Werk seinen gelungenen Abschluss. 

Ein gutes Buch, das sehr nachdenklich stimmt, weil es erneut zeigt, wie viele Steine Frauen über Jahrhunderte in den Weg gelegt wurden, wenn sie Sinnstiftendes in der Gesellschaft vorantreiben wollten 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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